(Beitrag zum 75. Stiftungsfest im Mai 1999)
Unser Bund kann am heutigen Tage auf ein dreiviertel Jahrhundert einer wechselvollen und immer wieder aufs neue spannenden Geschichte zurückblicken. Die Welt hat sich in diesen Jahren mehr und schneller verändert als jemals zuvor. Das gesellschaftliche Umfeld, in das die junge Arminia eingebettet war, existiert nicht mehr und trotzdem hat sie es geschafft zu überleben, sich neu zu formieren und schließlich ein neues eigenes Zuhause zu finden. Der Blick ist dabei immer nach vorne, den neuen Zeiten, zugewendet. Doch was werden uns die neuen Zeiten bringen? Wie wird eine Arminia in den nächsten 75 Jahren aussehen?
Die Frage nach der Zukunft zählt wohl schon seit jeher zu den Fragen, die man am besten mit einem Achselzucken oder aber mit aufwendig wichtigem orakeln beantwortet. Methode eins gibt die eigene Unwissenheit preis (der Befragte ist ja genauso dumm wie der Fragende) und die Alternative ist, wie gesagt, sehr aufwendig. Da das einfache Achselzucken nicht seitenfüllend ist und sich der Herausgeber nicht mit der Anschaffung einer orakelnden Schönheit anfreunden kann, bleibt nur, die Gegenwart zu analysieren und die zentralen Gedanken, die unser Verbindungsleben ausmachen, in die Zukunft weiter zu spinnen.
Gefragt nach dem zentralen Aspekt, der das "Arminen-Leben" heute ausmacht, antworten viele Aktive: "die Gemeinschaft". Die Aktiven werden miteinander in ständig wechselnden Führungsrollen mit neuen Organisationsaufgaben konfrontiert und entwickeln dabei persönliche Beziehungen, indem sie voneinander lernen. Soweit unterscheidet sich die Arminia nicht von anderen Korporationen. Doch die Voraussetzungen, unter denen dies geschieht, sind grundverschieden. Die Aktiven sehen sich nicht als fordernden sondern als aufgeschlossenen Bund, unterstützt durch einen weitsichtigen Altherrenverband, der schon früh - früher als die meisten anderen Verbindungen - erkannt hat, daß farbenstudentische Traditionen in der heutigen Zeit nur dann eine Daseinsberechtigung besitzten, wenn sie sich auch den heutigen Gesellschaftsordnungen öffnen. So wie es in der Gesellschaft mittlerweile zur Normalität geworden ist, daß Frauen erfolgreich im Berufsleben stehen, so normal sind Bundesschwestern für die Arminia. Doch die Anpassung muß weitergehen, denn so wie in den letzten zwanzig Jahren die Technik im Umbruch war, so wird in den nächsten zwanzig Jahren die Gesellschaft ihr Gesicht radikal verändern. Die nationalen Profile werden sich angleichen, die Gesellschaften werden internationaler und damit auch multikultureller. Die Anforderungen an Akademiker wachsen beständig und gleichzeitig sinkt ihr akademisches Allgemeinwissen. Dieses zu vermitteln wird nicht mehr nur Aufgabe der staatlichen Hochschule sein, sondern auch zunehmend in private Dienste gestellt, die berufsorientiert mit hoher Effizienz und Engagement ausbilden. Das bedeutet aber für die Verbindung, daß neue Maßstäbe Kriterien für den Zugang zur Aktivitas und ihrer Aufgabeneinteilung gefunden werden müssen.
Die T.V.Arminia hat sich nie revolutionär umgewandelt, sondern sich mit der Gesellschaft zusammen entwickelt und sich dabei mit aller Konsequenz dessen entledigt, was nicht zeitgemäß ist. Das Ergebnis ist eine selbstbewußte Aktivitas, die nun aufbricht, wieder Beziehungen zu anderen Verbindungen zu knüpfen, die sich mit ähnlichen Werten identifizieren können.
Verena Hahn al. Küken (xxx) FM, für die Aktivitas

