Rede zum Stiftungsfest auf dem Festkommers am 07.07.1997 zum
73. Stiftungsfest der TV Arminia
Von unserem BB Jürgen Puls al. Zappel
Liebe Bundesschwestern und Bundesbrüder,
verehrte farbentragenden Gäste, liebe Freunde der TV Arminia,
gewähren Sie mir heute ein paar Minuten von Ihrer Aufmerksamkeit.
Wie in jedem Semester hat der "ERST CHARGIERENDE" die Möglichkeit vor versammelter Corona eine Rede zu halten. Eine Rede die zum nachdenken animieren sollte oder einen Dialog zwischen den alten und neuen Werten herstellt. Ich suche den Konsens, die Debatte zwischen den alten und den neuen Wertigkeiten der Wortbegriffe in unserem Wappen, gemäss dem Arminen-Wahlspruch
PFLICHT-EHRE-VATERLAND
nicht neu zu definieren, nein das liegt mir fern, sondern sie dem Zeitgeist entsprechend neu zuzuordenen, dieses trifft es wohl besser.
Einige unter Euch, liebe Bundesschwestern und Bundesbrüder, werden sich wohl die Frage stellen, weswegen ich gerade diese Auseinandersetzung suchte. Ich suchte diese Auseinandersetzung mit gutem Grund, da die meisten unter Euch, gemeint ist hier natürlich gerade die junge Generation unter uns, wenig mehr mit den Worten der
PFLICHTERFÜLLUNG-DEM EHRGEFÜHL-UND DEM VATERLAND
anfangen können. Ja, ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sie diese Worte als unzeitgemäss, als Relikt vergangener Tage ablegen. Dieses trifft natürlich nicht auf alle zu, wie ich, angenehm überrascht, bei den vorbereitenden Gesprächen mit unserer Aktivitas feststellen konnte.
Wie wird der Begriff "PFLICHT" heute von uns jungen Menschen in unserer Verbindung gesehen?
Bei einer Befragung unserer Aktivitas stellete ich fest, dass die wenigsten mit diesem Begriff ihre Schwierigkeiten hatten. Sie brachten den Ausdruck mit der allgemeinen Verantwortung für sich und andere in Zusammenhang, der Pflicht sein Tagwerk ordentlich zu verrichten, oder der Pflicht Leben zu erhalten; also den Werten, die die moralische Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber darstellen.
KANT sagt: Man unterscheidet nach dem Inhalt der Pflicht gegenüber andere und sich selbst; ferner Tugend und Rechtspflichten.
Man kann also deutlich erkennen, dass der Ursprung der Pflicht, von Gott oder dem Menschen, heute sowie früher annähernd die gleiche Bedeutung haben.
Anmerken sollte man hier auch, dass die Pflicht als sittlicher Höchstwert in unserer Gesellschaft angesehen wird.
Mit den Begriffen "VATERLAND" und "EHRE" hatten die meisten unserer Bundesschwestern und Bundesbrüder ihre Schwierigkeiten. Dieses ist wohl nur so zu begründen, dass in der Vergangenheit diese Worte zur Verherrlichung des Grossmachtdenkens des dritten Reiches herangezogen wurden.
Dass aber diese beiden Worte einen ganz anderen Stellenwert in unserem Denken erhalten sollten, möchte ich anhand von Begriffen zeigen, die den Worten dem Zeitgeist entsprechende Deutung zukommen lassen.
Welchen Stellenwert sollte nunmehr das Wort "VATERLAND" für uns haben?
Lange habe ich darüber nachgedacht, welche Definition für die heutige Zeit in Frage kommen sollte.
Dabei ist mir eine Rede von unserem AHX Ric in die Hände gefallen, aus der ich Euch einen Auszug nicht vorenthalten möchte:
Vaterland ist Heimat, ist ein Bekenntnis zur gemeinsamen Kultur und Geschichte, die nicht erst im sogenannten Dritten Reich beginnt, sondern sehr viel älter ist und deren sich keiner schämen muss!
Wir brauchen ein staatsbürgerliches Bewusstsein in einem Europa, im angestrebten Europa der Vaterländer!
Hier wurde von unserem Bundesbruder Ric eine schöne Aussage getroffen, welche ich noch mit einer Erzählung ergänzen möchte, die in unsere heutige Zeit überleitet.
Bei einer Diskussion stellte ich einmal die Frage:
Wo bist Du zu Hause, wo ist Deine Heimat?
Zur Antwort bekam ich:
Wenn ich nach einer langen Reise nach Hause komme, den Ort den ich als erstes aufsuchen werde, das ist meine Heimat, das ist mein Zuhause.
Darauf wurde mir die gleiche Frage gestellt auf die ich erwiderte:
Mein Zuhause ist dort, wo ich mich wohl fühle, also ist die Welt mein Zuhause, da es überall Orte gibt an denen man sich wohl fühlen kann.
Wie unschwer zu erkennen ist, fehlt noch der Begriff "EHRE".
Es war nicht einfach, den Begriff der Ehre mit unserer Zeit zu verknüpfen.
Die Wichtigkeit, die diesem Wort in unserer Gesetzgebung zukommt, zeigt auf, dass die Ehre ein fundamentaler Begriff ist, der stark an das Grundgesetz gekoppelt wurde.
So garantiert das Grundgesetz in Artikel 1 die Unantastbarkeit der Menschenwürde, zudem wurde der Begriff noch in das Strafgesetzbuch aufgenommen im Zusammenhang mit dem Beleidigungdelikt.
Ferner heisst es in der Hessischen Verfassung in Artikel 3:
"Ehre und Würde des Menschen sind unantastbar"
PFLICHT-EHRE-VATERLAND
Unsere Gründerväter brachten damals diese Worte in unser Wappen ein, Worte die noch nicht überholt sind, wie man unschwer feststellen kann. Es liegt an uns, wie wir mit dem Erbe umgehen und welche Gewichtung wir den Worten beimessen.
Man sollte nicht die Wurzeln eines schönen Baumes kappen,
denn unsere Wurzeln resultieren aus den Worten unserer Stammväter,
der Schaft dieses schönen Baumes sind unserer Gründer,
auf dem Schaft da steht der Stamm, unsere Alten Herren,
der Stamm öffnet sich nach oben,
Äste entspringen und tragen Früchte,
wir sind die Äste dieses schönen Baumes.
Der Baum kann weder ohne Äste,
noch ohne Stamm,
oder einem Wurzelwerk existieren.
Er braucht alle drei Komponenten um zu überleben und schöne und saftige Früchte hervorzubringen.
Vergessen wir nicht, ihn zu giessen!!!
Aus diesem Grund möchte ich meine Rede mit den Worten schliessen,
Es ist mir eine Ehre, heute hier vor Euch als der derzeitige Sprecher der Aktivitas der Technischen Verbindung Arminia stehen zu dürfen.
Ich danke für Eure Aufmerksamkeit !

